Frei.Wild schlägt Echo-Einladung aus


Letztes Jahr wurde die Deutschrock-Band Frei.Wild wegen vermeintlich rechter Texte vom Echo ausgeladen. Dieses Jahr machen das die Südtiroler gleich selbst. Quelle

2011 war die Welt der Band Frei.Wild noch in Ordnung. Die Rocker aus Südtirol waren für den deutschen Musikpreis Echo nominiert, sie kamen, gewannen zwar nicht und feierten in friedlicher Eintracht mit den Kollegen aus dem Musikbusiness. Zwei Jahre später war nicht mehr viel von der guten Stimmung übrig. 2013 war Frei.Wild erneut in der Kategorie National alternativ nominiert. Neben den Deutschrockern hofften auch Kraftklub und Mia auf eine Auszeichnung. Diese beiden Bands sorgten aber für einen Eklat: Sie setzten den Echo-Veranstaltern die Pistole auf die Brust und drohten, dass sie die Veranstaltung boykottieren würden, wenn Frei.Wild auftreten würden. Der Grund: Diese seien eine Rechtsrock-Band. Der Shitstorm nahm daraufhin ein solches Ausmass an, dass Frei.Wild wieder ausgeladen wurden. Dieses Jahr wäre die Band aufgrund sehr guter Verkaufszahlen erneut nominiert. Doch die Rocker aus dem Südtirol machen auf beleidigte Leberwurst und sagen den Echo gleich selbst ab. Sie schreiben in einem Statement: «Was letztes Jahr mit dem Beschluss – uns tatsächlich grundlos von der Liste zu streichen – geschehen ist, war und bleibt eine bodenlose Sauerei.» Scheinbar haben sie die Kränkung noch immer nicht überwunden: «Dabei überwiegt nicht etwa wirtschaftlicher Schaden, denn ganz ehrlich, die Sache hatte ganz gewiss auch einen Werbeeffekt zur Bekanntheitssteigerung, sondern die Verletzung auf der emotionalen und seelischen Ebene, die der gesamten Frei.Wild-Familie zugefügt wurde», klagen sie in ihrer Erklärung. Fazit: «Wir werden an der Verleihung NICHT teilnehmen.» weiterlesen….

Hitzige Debatte um Frei.Wild und die Kunstfreiheit


Bedeutet der Ausschluss der Band Frei.Wild das Ende der Kunstfreiheit? Eine Woche nach der Echo-Verleihung sind die Gemüter noch immer erhitzt. Experten wollen nun die Folgen solcher „Empörungswellen“ für das Kulturleben klären.Quelle
„Egal was wir getan hätten, es wäre falsch gewesen“ – auch eine Woche nach der Echo-Gala in Berlin wirkt Dieter Gorny nachdenklich über den Ausschluss der Band Frei.Wild von der Preisverleihung. Nach den Vorwürfen gegen die Südtiroler, ihre Texte seien völkisch und nationalistisch, habe der Bundesverband Musikindustrie handeln müssen, sagt sein Vorsitzender.
Die Band ausschließen oder die Proteste ignorieren? Gorny spricht von einer medialen Erregung, die gedroht habe, den Preis zu beschädigen. Doch Gorny sorgt sich um die Kunstfreiheit. Zusammen mit dem Deutschen Kulturrat will der Musikverband über die Folgen solcher „Empörungswellen“ für das Kulturleben öffentlich debattieren.

Wann ist ein Liedtext rechtsradikal?

Der Wirbel um Frei.Wild zeigt: Die Frage, ab wann ein Liedtext als rechtsradikal gilt, ist umstritten – und sie erregt die Gemüter. Für den Musikwissenschaftler Thorsten Hindrichs von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die Band aus Brixen zwar keine offen faschistische Gruppe. Aber sie verbreite massentauglichen, latent völkischen Nationalismus.
Auf der Internetseite der Band steht: „Deutschrock ist Leidenschaft und hat mit ausgrenzenden, menschenverachtenden Inhalten nichts zu tun.“ In ihren Konzerten rufe sie immer wieder gegen jede Form von Extremismus auf. Sänger Philipp Burger hatte erklärt, er habe sich schon vor 15 Jahren von seiner Vergangenheit als Skinhead gelöst.  Musikwissenschaftler Hindrichs forscht an seinem Mainzer Institut über Musik und Jugendkulturen. Ein Aspekt: Rechtsrock. „Die Anziehungskraft dieser Gruppen funktioniert über Schwarz-Weiß-Denken und die einfachen Erklärungsmodelle „unten-gegen-oben”“, sagt er. Die Blut- und Heimatideologie in ihren Texten rechtfertigten die Bands meist mit Argumenten wie „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“.

Man kann schreiben was man will, die Medien zerreissen es in der Luft.