Festung Europa mit scharfen Klingen


Auf dem hohen Grenzzaun der spanischen Exklave Melilla sind Klingen gegen kletternde Flüchtlinge angebracht – für die «absolute Unbezwingbarkeit. Quelle

 Es geht um Abschreckung. Doch ob Abschreckung auch tatsächlich wirkt? An den zentralen Stellen des sechs Meter hohen Grenzzauns in Melilla, einer spanischen Exklave in Marokko, kämpft Europa mit Klingen gegen Migranten aus Afrika. Ganz oben am Zaun liess Spaniens konservative Regierung nun wieder Drähte mit scharfen Metalllamellen anbringen, mehrere gefaltete Schichten davon wie bei einem Akkordeon, die verhindern sollen, dass die hoffnungsfrohen Kletterer den letzten Sprung nach Europa wagen. Und wer ihn dennoch wagt, der verletzt sich garantiert: Schnitte am Oberkörper, an den Beinen, im Gesicht.«Der Zaun muss den Eindruck erwecken, absolut unbezwingbar zu sein», heisst es aus dem spanischen Innenministerium. So funktioniere Abschreckung. Menschenrechtsorganisationen sind entsetzt. Der spanische Ableger von Amnesty International zum Beispiel moniert, ein Staat dürfe keine Menschenleben aufs Spiel setzen, nur um sein Recht auf Grenzsicherheit zu verteidigen. Auch die Migranten hätten Rechte. Diese Zäune seien eine weitere Illustration dafür, dass sich Europa nur um Abschottung kümmere, nicht aber um Rechte. Spanien hatte es schon einmal während einiger Jahre mit diesen Zäunen aus einer Fabrik in Málaga versucht. Das andalusische Unternehmen European Security Fencing (ESF) ist der einzige europäische Hersteller solcher Produkte und beliefert die Nato, nationale Armeen und Kernkraftwerke, private und staatliche Kunden. 2007 liess die sozialistische Regierung des damaligen Premiers José Luis Rodríguez Zapatero die umstrittenen Zäune wieder abmontieren: Die Bilder halb verstümmelter Immigranten hatten die Öffentlichkeit schockiert, die heimische und die ausländische.Madrid rechtfertigt nun die Wiederinstallierung damit, dass der Andrang illegaler Einwanderer auf Melilla und Ceuta, die andere spanische Exklave auf nordafrikanischem Boden, in diesem Jahr stark gewachsen sei. Im Vergleich zu 2012 habe er sich verdoppelt – auf 3000 Versuche zur Grenzüberschreitung allein in Melilla. Wer humanere und gleichzeitig effizientere Lösungen kenne als die Abschreckung mit dem Klingenzaun solle sich doch bitte melden.Es meldeten sich die Sozialisten. Sie schlugen vor, die Grenzen «intelligenter» zu machen, sie mit Radaren und Drohnen besser zu überwachen, um dem unkontrollierten Zustrom zu wehren, wie das Europa nun ja auch in der Strasse von Sizilien tun will. Doch das Innenministerium winkte ab. «Die Vorschläge sollten konstruktiv sein und zur Lösung realer Probleme beitragen», hiess es mit einem verärgerten Unterton. Spanien behält also seine kontroversen Zäune bei – ohne jede Gewähr auf Erfolg seiner Abschreckungspolitik.Im Hinterland von Melilla campieren und warten Tausende auf den richtigen Moment, um die letzte Hürde nach Europa zu nehmen. Viele von ihnen haben schon einen langen Weg hinter sich. Sie werden sich kaum stoppen lassen von den scharfen Klingen hoch oben am Zaun. Und so wird es von diesem Punkt am Grenzwall der Festung Europa wohl bald wieder Bilder blutüberströmter Flüchtlinge geben, tragische Sinnbilder der europäischen Ohnmacht.

Müsste bei uns um die ganze Grüne Grenze gezogen werden. Israel hat sogar eine Mauer und es ist allen Egal.

Unser Blog enthält Themen die in der Komplexität nicht für Jugendliche geeignet sind. Wir tolerieren keine Gewaltaufrufe und rassistische Äusserungen. Bruderschaft 1291

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