Müssen wir unser Gemüse bald im Ausland anbauen?


Kommen mehr und mehr Menschen in die Schweiz, sinkt der Selbstversorgungsgrad. Bauern fürchten einen Kulturlandverlust. Ist unsere Landwirtschaft bedroht? Quelle

Graue Betonüberbauungen statt grüner Wiesen – die Angst vor der Zersiedelung der Landschaft taucht im Zusammenhang mit der aktuellen Zuwanderungsdebatte immer wieder auf. Die SVP warnt im Argumentarium zu ihrer Masseneinwanderungsinitiative vor einer «Reduktion fruchtbarer Ackerlandfläche» und davor, dass die Schweiz in der Folge noch stärker von Nahrungsmittelimporten abhängig werde. Haben wir wegen der Zuwanderung bald zu wenig Platz, um Kartoffeln anzubauen und Kühe weiden zu lassen?    Wie viele Menschen haben in der Schweiz Platz? Im Vorfeld der Abstimmung über die SVP-Masseneinwanderungsinitiative am 9. Februar ist diese Frage für viele Schweizer aktueller denn je. In einer fünfteiligen Serie versucht 20 Minuten mit Hilfe von Experten, diese Frage zu beantworten – und zwar für die Bereiche Wohnraum, Verkehr, Energie, Gesundheit und Landwirtschaft. Weitere Infos zur Zuwanderungsdebatte gibt es auch in unserem Dossier.aut Raumplanungsexperten ist ein Wachstum der Schweizer Bevölkerung ohne eine Zerstörung von Landwirtschaftsflächen möglich. Beim Bauernverband hält man die Befürchtungen aber dennoch für berechtigt. «Der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum übt natürlich auch Druck auf unser Kulturland aus», sagt Präsident Markus Ritter. Man müsse sich gut überlegen, wie die Besiedelung erfolgen muss, damit möglichst wenig wertvolles Kulturland verbaut wird.Das Bevölkerungswachstum habe für die Landwirtschaft zwar auch interessante Aspekte: «Die Zahl der möglichen Kunden nimmt zu – der Markt wächst.» Eine Herausforderung werde es indes sein, im heutigen Umfeld den Versorgungsgrad mit einheimischen Lebensmitteln auf dem aktuellen Niveau zu halten. «Dazu braucht es einen bunten Strauss an Massnahmen. Unter anderem müssen wir viel in die Forschung und die Ausbildung der Bauern investieren.» In einer urbanisierten Schweiz werde es eine grosse Herausforderung sein, die nächste Generation für den Bauernberuf zu begeistern. Dazu müsse auch die Wertschöpfung in der Landwirtschaft gesteigert werden.Therese Haller, Agrarökonomin an der Berner Fachhochschule in Zollikofen, bestätigt, dass der Selbstversorgungsgrad der Schweiz mit wachsender Bevölkerungszahl grundsätzlich abnehmen dürfte. «Wenn mehr Leute ernährt werden müssen, nimmt die Bedeutung von Importprodukten tendenziell zu.»Haller erinnert jedoch daran, dass die Schweiz schon heute weit entfernt davon ist, genug Lebensmittel für alle Einwohner zu produzieren. «Der Selbstversorgungsgrad beträgt derzeit 60 Prozent – wenn man die im Ausland angebauten Futtermittel für Nutztiere abzieht, sogar noch weniger.» Derzeit könnte nur etwa die Hälfte der Bevölkerung rein von Produkten ernährt werden, die in der Schweiz angebaut wurden. Bereits während des Zweiten Weltkrieges seien Lebensmittel importiert worden.Doch wann droht der Schweizer Selbstversorgungsgrad auf ein bedrohliches Niveau zu sinken? Die Schweizer seien im globalen Vergleich sehr zahlungskräftig, sagt Haller: «Wir haben deshalb grundsätzlich immer die Möglichkeit, genügend Nahrungsmittel zu importieren.» Schwierig würde es nur, wenn eine globale Energiekrise die Transporte massiv verteuerten oder zwischenstaatliche Konflikte einen Import erschwerten.Andere Länder mit grosser Bevölkerungsdichte hätten sich längst damit abgefunden, von einem sehr hohen Anteil an Importprodukten abhängig zu sein. China pachte oder kaufe gar Agrarflächen im Ausland, um die Versorgung der eigenen Bevölkerung sicherstellen zu können. Vor allem in Afrika und in Südamerika sind bereits riesige Ackerflächen in chinesischem Besitz. Und in der Ukraine machte kürzlich ein Deal Schlagzeilen, bei dem rund 100’000 Hektaren in chinesische Hände wanderten – eine Fläche, die grösser ist als die Stadt Berlin.Ein solches Szenario kommt für den Bauernverband nicht in Frage. «Regional produzierte hochwertige Schweizer Lebensmittel werden kaum von importierten Waren verdrängt», sagt Bauernpräsident Markus Ritter. «Das Vertrauen und die Nachfrage nach Schweizer Produkten sind in der Bevölkerung sehr gross.» Zahlreiche Lebensmittelskandale im Ausland hätten das Qualitätsbewusstsein der Schweizer Bevölkerung weiter geschärft.Zudem ist die Schweizer Landwirtschaft laut Ritter auch für das Image der Schweiz nach aussen von zentraler Bedeutung. Sie müsse deshalb auch bei steigender Zuwanderung und starker Nachfrage nach Arbeitskräften in der Wirtschaft erhalten werden: «Ohne unsere Berge und gepflegten Alpweiden, den Käse und die Schoggi könnte sich die Schweiz als starke Marke international nie so positionieren, wie sie das heute tut. Für unsere Wirtschaft und unseren Wohlstand wäre ein Wegfall dieser Alleinstellungsmerkmale fatal.»

Macht nur weiter so mit der Einwanderung, dann sehen wir weiter. 

2 Gedanken zu „Müssen wir unser Gemüse bald im Ausland anbauen?

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