Touristen aus Afrika haben oft keine Chance


Je nach Herkunftsland wird jedes dritte Visumsgesuch für einen Besuch der Schweiz verweigert. Kritiker sprechen von Diskriminierung. Quelle

«Schweizer Botschafter diskriminieren afrikanische Touristen», titelt die «Berner Zeitung» heute. Für alle Nicht-Mitglieder des Schengen-Raums gilt: Wer einreisen möchte, braucht ein Schengen-Visum. Doch ein solches zu erhalten, ist nicht überall gleich einfach – im Gegenteil. Gemäss Visumstatistik werden im gesamten Schengen-Raum durchschnittlich rund 7 Prozent der weltweit 16 Millionen Visumgesuche abgelehnt. Bei Anträgen aus afrikanischen Ländern liegt diese Quote viel höher.Zwar zeigt ein Blick in die EU-Visastatistik des Jahres 2012, dass die Schweiz verglichen mit dem Schengenraum-Durchschnitt eine etwas lockerere Bewilligungspraxis pflegt. Doch bei Anträgen aus afrikanischen Ländern wie Kamerun, Ghana oder der Republik Kongo sind die Schweizer Botschaften hart: Fast jedes dritte Gesuch wird abgelehnt. Zum Vergleich: Im vergleichsweise reichen Südafrika wurden weniger als ein Prozent der Visumsgesuche abgelehnt.Mit der harten Visumpolitik soll verhindert werden, dass Einwanderung unter falschem Vorwand stattfindet, wie Mario Gattiker, Chef des Bundesamtes für Migration, in einem Interview bestätigt: «Das beginnt mit einer harten Visumpolitik im Herkunftsland». Entscheidend bei der Gesuchsbeurteilung beim Bundesamt für Migration sei neben der wirtschaftlichen und politischen Situation des Herkunftslandes auch die berufliche Situation und die familiäre Bindung. Wichtig sei aber auch für jeden einzelnen Antragssteller eine Einzelprüfung, so das Amt.Mit diesem Vorgehen, so schätzt der Tourismusverband European Tour Operators Association, entgingen den Schengenländern Tourismuseinnahmen in der Höhe von einer halben Millarde Euro pro Jahr.Die «BZ» nennt verschiedene Beispiele, was die restriktive Politik im Einzelnen bedeuten kann. Da ist etwa ein 23-jähriger Informatikstudent aus Conakry, der Hauptstadt von Guinea, der für sein Visum 1200 Kilometer weit ins Nachbarland Elfenbeinküste reisen muss. Dort beantragt er sein Visum bei der Schweizer Botschaft – er möchte seine Tante und seinen Cousin besuchen, beide sind Schweizer.Alles hat er vorbereitet: Einladungsbrief, Nachweis ausreichender finanzieller Mittel und einen Bankauszug. Jetzt beginnt das Warten. Es dauert Wochen. Am Ende der negative Bescheid: «Ihre Absicht, vor Ablauf des Visums aus dem Hoheitsgebiet der Mitgliedsstaaten auzureisen, konnte nicht festgestellt werden.» Vielleicht wird er seine Schweizer Tante nie besuchen können.Bei einem zweiten beschriebenen Fall liessen die Behörden nicht einmal den Sohn einer Schweizerin einreisen, der bei Verwandten in ihrem Herkunftsland Kamerun lebt. Der Gymnasiast hätte seine Mutter in den Schulferien besuchen wollen. Auch sein Gesuch wurde mit der Begründung abgelehnt, die Ausreise sei nicht gesichert. Und das, obwohl die Mutter und ihr Mann, beide Schweizer, beide Staatsangestellte, persönlich dafür bürgten, dass der junge Mann rechtzeitig wieder zurückfliegen werde.Als «reine Willkür» bezeichnen die Betroffenen die Begründung. Recht erhalten sie indirekt vom Berliner Sozialanthropologen Paolo Gaibazzi. Dieser untersuchte die Schengen-Visum-Vergabepraxis in Afrika und schrieb dazu in der Zeitung «Le Monde diplomatique»: «Die Vergabe von Visa ist ein so kostspieliges und so intransparentes Verfahren, dass jüngere, weniger gebildete und ärmere Antragsteller, die wenig Erfahrung mit modernen Bürokratien besitzen (…) kaum eine Chance haben, sich das Recht auf Reisen zu verschaffen (…).»Der Gymnasiast hat Einsprache erhoben. Erfolgreich. Er wird die Ferien nun doch bei seiner Mutter verbringen dürfen.

Ist auch besser so, die kommen und tauchen unter

 

Unser Blog enthält Themen die in der Komplexität nicht für Jugendliche geeignet sind. Wir tolerieren keine Gewaltaufrufe und rassistische Äusserungen. Bruderschaft 1291

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