Glückwünsche an Hitler


Am 20. April 1939 feiert der deutsche Diktator seinen 50. Geburtstag. Soll die neutrale Schweiz gratulieren oder besser schweigen? Die Kommunikation zwischen Bern und Berlin ist bereits am Vorabend des Zweiten Weltkriegs ein Drahtseilakt.  Quelle

Geburtstagsfeste können Vorboten des Schreckens sein. Am 20. April 1939 putzt sich Deutschland für seinen «Führer» heraus. In Berlin flattern bei kalt-trübem Wetter Tausende von Flaggen mit dem Hakenkreuz, gigantische Porträts Adolf Hitlers hängen von den Hausfassaden, zum fünfzigsten Geburtstag schmieden Hofpoeten holprige Verse für den «Schöpfer des Grossdeutschen Reiches». Die Schulen, Geschäfte und Fabriken ruhen an diesem Jubeltag, schliesslich sollen die Massen den Diktator preisen – heil!Dieser fährt, nachdem ihm die Leibstandarte der SS ein Ständchen gebracht hat, mit seiner Entourage von der Wilhelmstrasse via Brandenburger Tor zur Technischen Hochschule. Dort besteigt er eine baldachingekrönte Tribüne, bevor um Punkt halb zwölf die grösste deutsche Militärparade seit dem Ersten Weltkrieg beginnt. Viereinhalb Stunden lang ziehen die Streitkräfte an Hitler vorbei, der auf einem Thronsessel Platz genommen hat: Jagdflieger, Mannschaftswagen, Panzer, Zehntausende von Soldaten in Kampfmontur. Es ist eine minuziös orchestrierte Propagandaschlacht, die von einem Dutzend Kameraleuten auf Film gebannt wird.Auf den Ehrentribünen sitzen Delegationen aus allen Herren Ländern, begeistert, erschüttert, verängstigt. Hitler soll seinen Aussenminister angewiesen haben, ausländische Gäste einzuladen, «unter ihnen möglichst viele feige Zivilisten und Demokraten, denen ich eine Parade der modernsten aller Wehrmachten vorführen werde». Mittendrin: Minister Hans Frölicher, der umstrittenste Diplomat, den die Schweiz je gehabt hat. Im späteren Urteil von Historikern wie Edgar Bonjour wird er zum Inbegriff des deutschfreundlichen Anpassers, der in seiner Blauäugigkeit den Charakter des Nationalsozialismus lange nicht zu erfassen vermochte.Was nun folgt, ist nur eine Fussnote der Geschichte. Aber sie illustriert, wie fragil die Beziehungen zum deutschen Verbrecherregime bereits am Vorabend des Zweiten Weltkriegs sind und wie devot sich der Schweizer Gesandte in Berlin verhält. Gemäss Dokumenten aus dem Bundesarchiv begibt sich Frölicher nach der Parade in die Reichskanzlei und trägt sich wie viele seiner Diplomatenkollegen in die Liste der Gratulanten ein. Was ihm Sorge bereitet: Unter den persönlichen Ehrengästen in Berlin befinden sich zwar viele Vertreter neutraler Staaten, nicht aber der Schweiz. Am 21. April kabelt er deswegen nach Bern und betont: «Das Fehlen der Schweiz ist aufgefallen.»

so bleibt die Geschichte am leben

 

Unser Blog enthält Themen die in der Komplexität nicht für Jugendliche geeignet sind. Wir tolerieren keine Gewaltaufrufe und rassistische Äusserungen. Bruderschaft 1291

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