Wie sich Nazis in Westdeutschland langsam ausbreiten


Rechtsextremismus – ein ostdeutsches Phänomen. Dieses Klischee sitzt noch immer in vielen Köpfen fest. Stimmt allerdings nicht. Auch im Westen sind die Neonazis aktiv und gewaltsame Attacken keine Seltenheit. „Die westdeutschen Rechtsextremen trauen sich mehr.“  Quelle

Der Schock im vergangenen Oktober war groß: Etwa 1000 Neonazis strömten aus ganz Deutschland zu einem Konzert mit ultrarechten Bands ins fränkische Scheinfeld. Die beschauliche Gemeinde am Rande des Steigerwaldes zählt selbst keine 5000 Einwohner. Die Bürger traf die Veranstaltung völlig unerwartet.Die Gemeinde hatte zwar schon Tage vorher Wind davon bekommen, doch sie entschied sich stillzuhalten. In der Hoffnung, das braune Gewitter zöge schnell wieder ab. Mit rechtsextremen Großveranstaltungen hatte man in Scheinfeld bisher schließlich keine Erfahrung. Und wer vermutet schon eines der größten Konzerte der rechten Szene der vergangenen Jahre in einer kleinen bayerischen Gemeinde?Gemeinhin steckt noch immer das Bild in den Köpfen, Rechtsextremismus sei vor allem ein Problem in den ostdeutschen Bundesländern. Dies gilt umso mehr, wenn es um gewalttätige Übergriffe auf Ausländer geht. Die Bilder von Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda haben sich ins Gedächtnis der Menschen gebrannt.Zahlreiche Berichte über Attacken auf Asylbewerberheime und Migrantenin ostdeutschen Kleinstädten taten ihr Weiteres. Tatsächlich war im Osten der „Resonanzboden für rechtsextremes Gedankengut in der Bevölkerung größ er“, wie der Extremismusforscher und Kriminalist Bernd Wagner gegenüber FOCUS Online sagt. Westdeutsche Neonazis seien verblüfft gewesen über den Zulauf.Die Folge: Rechtsextremisten aus dem Westen gingen in die damals „neuen Bundesländer“, um dort Netzwerke aufzubauen und Karriere zu machen. Wie Ex-NPD-Chef Holger Apfel, geboren in Hildesheim, der im sächsischen Landtag sitzt, oder der jetzige Parteichef Udo Pasteurs, ein Rheinländer, der nach Mecklenburg-Vorpommern zog. Und: Rechtsextremismus im Westen geriet aus dem Fokus von Politik und Öffentlichkeit.Man muss sich allerdings nicht weit vom fränkischen Scheinfeld entfernen, um festzustellen, wie aktiv die Szene auch im Westen ist. Die Großregion um Nürnberg, das wegen des Reichsparteitagsgeländes ohnehin historisch belastet ist, hat seit Jahrzehnten mit neonazistischen Umtrieben zu kämpfen. Seit Aufdeckung der NSU-Mordserie treten sie stärker in Erscheinung. „Die hiesigen Rechtsextremen trauen sich mehr und treten martialischer auf“, sagt Doris Groß vom Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg.Besonders augenscheinlich wurde dies zum Jahreswechsel 2012. In der Silvesternacht überfielen 20 Neonazis die bei Linksalternativen beliebte Ansbacher Kneipe „Störtebeker“. Im oberfränkischen Weißenohe zerschlugen sie die Fensterscheiben des Autos von Michael Helmbrecht und leiteten Buttersäure durch den Briefkasten in dessen Wohnung. Der Sozialpädagoge hat mit dem Gräfenberger Bürgerforum jahrelang gegen regelmäßige Neonazi-Aufmärsche in der fränkischen Stadt gekämpft – bis jene angesichts des Widerstandes aufgaben.

Doch wieso gibt es so einen berechtigten Zulauf?

Unser Blog enthält Themen die in der Komplexität nicht für Jugendliche geeignet sind. Wir tolerieren keine Gewaltaufrufe und rassistische Äusserungen. Bruderschaft 1291

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