«Solche Schnellschüsse sind völlig unangebracht»


Leuthards Äusserung auf Twitter, dass Satire kein Freipass sei, stösst bei Politikern und Experten auf Unverständnis. Die Bundesrätin habe zu schnell reagiert. Quelle

«Sehr unglücklich von Leuthard»

Bei solch schrecklichen Ereignissen wie einem Terroranschlag müsse man vor allem Ruhe bewahren – auch in den sozialen Medien. «Es ist unangebracht, dass sich Bundesräte einzeln per Schnellschuss auf Twitter äussern», kritisiert sie. Wenn schon, dann müsse der Bundesrat als Gesamtgremium eine Stellungnahme abgeben.«Das war sehr unglücklich von Doris Leuthard», findet auch GLP-Nationalrat Jürg Grossen. In Situationen wie diesen sei mehr Pietät angebracht.CVP-Nationalrat Marin Candinas relativiert. Man dürfe Leuthards Aussage nicht überbewerten, schliesslich habe sie sich ja im zweiten Tweet korrigiert. Er räumt zwar ein, dass die Äusserung zum gestrigen Zeitpunkt nicht ideal war, das sei aber mitunter auch der Nachteil der neuen Medien: «Da gerät sehr schnell mal etwas Unpassendes in den Umlauf.»Dafür hat Marco Ratschiller, Chefredaktor des Satire-Magazins «Nebelspalter», ein gewisses Verständnis. «In der schnelllebigen Twitterwelt bin ich der Meinung, dass solche Patzer verzeihbar sein sollten, wenn man sie nachträglich korrigiert.» Dass Leuthards Tweet im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Attentat nicht sehr geschickt war, sei aber unbestritten. «Ein so heikles Thema kann man nur differenziert angehen», sagt Ratschiller. Mit der beschränkten Zeichenanzahl sei dies auf Twitter aber schwierig.Dennoch stosse Leuthard damit eine «hoch notwendige Diskussion» an. Diese solle aber möglichst nicht unter dem Eindruck der Angst und des Terrors geführt werden. In der Satire ist laut Ratschiller vor allem der gesunde Menschenverstand der Satiriker gefragt. «Satire soll alles dürfen, aber nicht zu jedem Zeitpunkt alles ausspielen.»Auch Jürg Grossen sagt: «Die Diskussion, was Satire darf und was nicht, ist wichtig.» Er sei ganz klar für die Pressefreiheit, betont er. «Aber es gehört eine Prise Anstand dazu.» Dennoch sei jetzt kaum der richtige Moment, das Thema aufzunehmenIn einer Stellungnahme des Eigenössichen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kultur (Uvek) lässt Doris Leuthard am Donnerstag verlauten, dass es nicht ihre Absicht gewesen sei, mit dem ersten Tweet den Eindruck zu erwecken, dass sie die Pressefreiheit in Frage stelle. «Es war ein Fehler, der durch ein internes Missverständnis entstand», schreibt das Uvek. «Die Pressefreiheit ist ein Grundrecht, das es gegen alle Angriffe ohne Wenn und Aber zu schützen und verteidigen gilt.»Inhaltlich distanziert sich Leuthard von ihrer Aussage in der Stellungnahme indes nicht. Für Marc Herzog von der Piratenpartei ein Hinweis, dass sich die Bundesrätin auf den«Blasphemieartikel» im Strafgesetzbuch bezieht und daran festhält. Demnach ist es verboten, «öffentlich und in gemeiner Weise die Überzeugung anderer in Glaubenssachen zu verspotten». Herzog kritisiert diesen Artikel, er sehe nicht ein, weshalb Gläubige speziell geschützt werden sollen. In einer Reaktion auf Leuthards Tweet twitterte er: «Satire soll alles dürfen.»

Wir geben ihr eine Protestnote!!

Ein Gedanke zu „«Solche Schnellschüsse sind völlig unangebracht»

  1. Wer hätte das gedacht!
    Nachdem man in Europa das Joch der Kirche abgelegt hat und die Früchte des Humanismus und der Aufklärung einige Jahre geniessen konnte, scheint wieder die Zeit gekommen zu sein, dass importierte Steinzeitmenschen im Namen einer Religion eine Umkehrung versuchen.

Unser Blog enthält Themen die in der Komplexität nicht für Jugendliche geeignet sind. Wir tolerieren keine Gewaltaufrufe und rassistische Äusserungen. Bruderschaft 1291

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